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24.06.2015

EUROPA KANN UND MUSS MEHR FLÜCHTLINGE AUFNEHMEN!

18. Juni 2015 - Anlässlich des Weltflüchtlingstags fordert Selmin Çalışkan, die Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Konsequenzen aus den weltweit ansteigenden Flüchtlingszahlen zu ziehen und deutlich mehr Flüchtlinge aufzunehmen, statt weiter auf Abschottung zu setzen.

"Die aktuellen Zahlen zu Flüchtlingen weltweit dürfen die Staats- und Regierungschefs nicht nur erschüttern und betroffen machen: Europa muss sich endlich zum Flüchtlingsschutz bekennen und aktiv deutlich mehr Menschen aufnehmen", sagt Çalışkan.
Knapp 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, davon etwa ein Drittel außerhalb des eigenen Landes. Dies ist die höchste Zahl, die der UNHCR seit dem Zweiten Weltkrieg registriert hat.
"Es nützt nichts, in dieser Situation den Kopf in den Sand zu stecken. Europa darf die Augen nicht vor der Realität verschließen: Angesichts von Verfolgung, Krisen und zunehmenden bewaffneten Konflikten werden auch nach Europa mehr Flüchtlinge kommen. Die Nachbarländer allein können den Schutz der Menschen nicht leisten. Das gegenwärtige Gezerre um die Aufnahme von Flüchtlingen innerhalb der EU ist eines Friedensnobelpreisträgers unwürdig. Statt Aufregung brauchen wir echte Solidarität in Europa. Statt der tödlichen Abschottungspolitik brauchen wir endlich mehr legale und sichere Zugangswege für Flüchtlinge nach Europa", so Çalışkan.
Als eine Maßnahme fordert Amnesty von der EU, deutlich mehr Flüchtlinge in sogenannten Resettlement-Programmen aufzunehmen.
"Wenn einer von 122 Menschen weltweit vertrieben oder auf der Flucht ist, dann ist es an der Zeit, Resettlement- und humanitäre Aufnahmeprogramme für Flüchtlinge erheblich auszubauen, den Familiennachzug zu hier lebenden Flüchtlingen zu erleichtern und die Visapolitik zu liberalisieren. Fast eine Million Resettlement-Plätze und humanitäre Aufnahmemöglichkeiten sind nach UN-Angaben derzeit für die Aufnahme von Flüchtlingen erforderlich, und diese Zahl wird jedes Jahr weiter steigen. Europa bietet derzeit nur etwa 5.000 Resettlement-Plätze an und auch mit gerade einmal einer halben Million Asylanträge im vergangenen Jahr bleibt Europa weit hinter seinen Möglichkeiten und Verpflichtungen zurück. Die europäische Untätigkeit angesichts der weltweiten Flüchtlingskrise ist tödlich. Diese Krise ist eine der wichtigsten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, aber die Europäische Union hat bislang kläglich versagt", kritisiert Çalışkan.

In einer Online-Petition an die Bundeskanzlerin fordert Amnesty mehr sichere und legale Zugangswege nach Europa. Werden Sie aktiv und unterzeichnen Sie! http://action.amnesty.de/l/ger/p/dia/action3/common/public/?action_KEY=9703&d=1



Die aktuelle Flüchtlingskrise ist die schlimmste seit dem Zweiten Weltkrieg.


Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Amnesty-Bericht zur Lage der Flüchtlinge. Amnesty fordert einen Paradigmenwechseln und verbindlichen Schutz für Menschen auf der Flucht. Besonders die Industriestaaten müssten endlich mehr tun.
Der neue Amnesty-Bericht "The global refugee crisis: a conspiracy of neglect" belegt:
https://www.amnesty.org/en/documents/pol40/1796/2015/en/

  • es handelt sich um die schlimmste Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg
  • eine Millionen Flüchtlinge sind verzweifelt auf eine Aufnahme in einem sicheren Land angewiesen
  • vier Millionen syrische Flüchtlinge kämpfen um das Überleben in der Türkei, dem Libanon, Jordanien, Irak und Ägypten
  • mehr als drei Millionen Menschen im südlichen Afrika sind auf der Flucht, einzig ein kleiner Teil konnte sich seit 2013 wieder ansiedeln
  • 3500 Menschen sind im Jahr 2014 im Mittelmeer ertrunken - seit Beginn 2015 sind bereits 1865 Flüchtlinge ertrunken
  • 300 Menschen sind in den ersten drei Monaten 2015 im Andamanischen Meer gestorben durch Hunger, Dehydratation und Misshandlung der Bootsbesatzungen


Amnesty International nennt die gegenwärtige Flüchtlingskrise die schlimmste seit dem Zweiten Weltkrieg. In einem neuen Bericht, der in der libanesischen Hauptstadt Beirut präsentiert wurde, wirft Amnesty International vor allem den Industriestaaten vor, dass sie ihrer Verantwortung, für ausreichend humanitäre Hilfe für Flüchtlinge zu sorgen, nicht nachgekommen seien. Weil der Lage der Flüchtlinge nicht genügend Aufmerksamkeit gegeben werde, seien Millionen zu einem Leben in Elend und Tausende zum Tode verdammt.
"Die Flüchtlingskrise ist eine der wichtigsten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, aber die internationale Gemeinschaft hat bislang kläglich versagt", betonte Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International. Die Welt dürfe Länder wie die Türkei oder den Libanon, die die größte Last trügen, nicht länger alleine lassen.
Weltweit mussten mehr als 50 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen. In Syrien wurde mehr als die Hälfte der Bevölkerung vertrieben. Vier Millionen Menschen flohen aus dem Land. 95 Prozent von diesen leben derzeit in der Türkei, dem Libanon, Jordanien, dem Irak oder Ägypten. Aus den afrikanischen Ländern südlich der Sahara sind drei Millionen Menschen auf der Flucht. Auch angesichts des Flüchtlingsdramas in Südostasien, wo im Mai Tausende Menschen in überfüllten Booten auf dem Meer trieben, ohne dass ein Land sie aufnehmen wollte, schlägt Amnesty Alarm: "Die Krisen in Europa und Südostasien haben gezeigt, dass die Regierungen bereit sind, rechtliche Verpflichtungen und humanitäre Erfordernisse zu ignorieren." Die meisten Todesfälle wären demnach vermeidbar gewesen.
Die Flüchtlingskatastrophe könne nur gelöst werden, wenn die internationale Gemeinschaft sie als globales Problem verstehen und behandeln würde, resümiert der Bericht. Amnesty fordert deshalb einen internationalen Gipfel zur Flüchtlingskrise. Es muss ein Paradigmenwechsel erfolgen, um Flüchtlinge nachhaltig zu schützen.





In der Altkatholischen Spitalkirche bei der Caracalla-Therme in Baden-Baden hat unsere Gruppe einen Info-Stand mit den aktuellen Petitionen und Informationen zur Kampagne eingerichtet. Geöffnet: Winterzeit täglich von 9 bis 18 Uhr, Sommerzeit bis 19 Uhr.